Dienstag, 14. März 2017

Siebenundsechzigster Schritt: in den #Ensave - Hessenkader streben

Lizensierte Ensave-Stoppuhr
Was für eine krasse Entwicklung. Seit November betreibe ich einen neuen Sport. Er heißt "Energy Saving". Früher hieß er mal Stromsparen, aber da machte keiner mit. Das klang so altbacken, zu sehr nach Öko-Freak. Mittlerweile bin ich auf Hessen-Niveau. Ich rechne jederzeit damit, dass sich der Hessenkader bei mir meldet und mich aufnimmt.
Wie auch beim Hundermeterlauf ist es auch beim "Energy Saving" - wir Sportler kürzen es mit Ensave ab - so, dass wir eine Strecke haben und möglichst geringe Werte haben wollen. Unsere 100-Meter-Strecke ist ein Monat, unsere Stopp-Uhr der Stromzähler, und unsere Zeit die Anzahl verbrauchter Kilowattstunden. Der Dezember war meine erste Strecke, Januar die zweite und Februar die dritte. 73 Kilowattstunden waren es beim ersten Run, 48 bei zweiten und 33 beim dritten. In Euro umgerechnet bedeutet das, dass ich im Februar mit 9,60 Euro die magische Grenze - wir Ensaver nennen sie Magic Border (TM) - von 10,00 Euro unterschritten habe. Das ist eine Leistung auf Hessenniveau. Ich bin sehr glücklich darüber und warte jeden Moment auf den Anruf des hessischen Landestrainers. Der Februar ist zwar der sogenannte Cheat Month, da er ja zwei Tage weniger hat, aber vielleicht klappt es doch. Ich bin so aufgeregt.

Übrigens hat mich die Frankfurter Neue Presse letzte Woche einen Tag lang beim Einkaufen begleitet, im Bioladen Regenbogen in Friedberg/West, beim Teehaus Löw und natürlich auf dem Friedberger Wochenmarkt. Dabei sind sehr viele schöne Fotos entstanden.
Hier könnt ihr euch die Fotostrecke anschauen.

Außenkühlschrank
Nun aber zurück zum Hessenkader der Ensave-Liga! Damit ich auch weiter im Kreise der Anwärter auf einen Stammplatz bleibe, muss sich freilich etwas tun, nun da der Frühling vor der Tür steht und wir bereits die 15-Grad-Marke ein paar Mal überschritten haben. Noch funktioniert mein Außenkühlschrank ganz prima, da wir nachts noch immer Temperaturen um Null Grad herum haben. Die Kühle hält meine Box auch bis über Mittag hinaus bei angemessener Temperatur, so dass es noch unproblematisch ist, den Kühlschrank in der Küche weiter ausgeschaltet zu lassen. Im Sommer sehe ich jedoch schwarz. Also müssen andere Lösungen her.
Im Mittelmeerraum werden Tongefäße genutzt, die wie  riesige Sektkühler funktionieren. Verdunstungswärme sei dank! So einen habe ich mir gebaut. Die Anleitung findet ihr unten. Allerdings empfehle ich, mit dem Nachbau zu warten, ob das auch funktioniert, wenn es wirklich warm ist. Meine Dachgeschosswohnung ist bestens geeignet, die Extreme zu testen ;-)
Mein kühles Bier werde ich im Sommer auf der Dachterrasse lagern. Ganz klassisch in einem großen Fass mit kaltem Wasser versenkt. Hach, wird das herrlich. Wie damals vor zwanzig Jahren bei Lagerfeuer am See. Nur, dass ich dieses Mal weder Stechmücken haben werde, noch die Abwesenheit einer Toilette beim juvenilen Bierkonsum erdulden muss.


Bauanleitung zur Fertigung eines stromlosen Kühlschranks

Zwei Tontöpfe, einer davon mit Untersetzer als Deckel, und einen Sack Sand. Leider in Plastik, weil ich mich nicht beherrschen konnte und zu ungeduldig war, um zum Bauhof zu fahren und ihn  lose zu kaufen. Asche auf mein Haupt. Oder besser Sand!

Zwei Gummischeiben mit Dichtmasse am Boden aufbringen, um die Löcher wasserdicht zu verschließen.
Dann ineinander stellen und sich darüber freuen, dass der kleinere tatsächlich in den größeren reinpasst.
Raum zwischen den Tongefäßen mit Sand befüllen, verdichten und mit Wasser auffüllen. Die entstehende Verdunstungswärme kühlt den inneren Topf.

Freitag, 10. März 2017

Sechsundsechzigster Schritt: Mit dem Smartphone gegen die Lebensmittelverschwendung

Nachfolgend ein paar Worte zu einem Projekt eines Bekannten, das ich sehr gerne unterstütze. Er hat mit Studenten eine App entwickelt, die helfen soll, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Um eine Desktopversion zu programmieren und die Funktionstiefe zu erweitern, haben sie ein Crowd Funding gestartet, das ich gerne teile. Nachfolgend weitere Informationen zum Projekt und zur App, die schon jetzt genutzt werden kann.



Mehr als 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von ca. 25 Milliarden EUR werden alleine in Deutschland jedes Jahr weggeworfen, davon ca. 65% von Privathaushalten. Gleichzeitig hungern Menschen dort, wo landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Lebensmitteln genutzt werden, die ausschließlich für den Export vorgesehen sind. Die Wegwerfgesellschaft entsorgt nicht nur Spielzeug oder alte Handys sondern auch Lebensmittel, die ohne Weiteres und unbedenklich noch genießbar sind. Dabei kann jeder, der diese Lebensmittel in die Tonne wirft, auch anderen Menschen helfen. Selbst in Deutschland sind immer mehr Menschen nicht in der Lage, sich „angemessen und in Würde zu ernähren“. Besonders betroffen sind Kinder aus Hartz-IV-Haushalten, Rentner und Flüchtlinge.

In Dänemark konnte die Lebensmittelverschwendung vom Jahr 2010 bis zu dem Jahr 2015 um 25% reduziert werden, hauptsächlich im Bereich des Handels, initiiert von der Aktivistin Selina Juul und ihrer Organisation „Stop Spild Af Mad“ (Stoppt die Lebensmittelverschwendung). In Frankreich gibt es ein Gesetz, das den Handel verpflichtet, unverkaufte Nahrungsmittel dem Recycling zuzuführen oder zu spenden. Ähnliche Initiativen gibt es in Italien und Finnland.
In Deutschland wurde Ende Februar der Vorstoß des Landes Nordrhein-Westfalen, per Gesetzt gegen die Lebensmittelverschwendung vorzugehen, abgelehnt, „Der Großteil unserer Lebensmittelabfälle entsteht in den Privathaushalten, da können wir mit einem Gesetz nichts erreichen“ (Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in einem Interview der Saarbrücker Zeitung).

Warum es also den Privathaushalten nicht einfacher machen, sich über das Thema Lebensmittelverschwendung zu informieren und Lebensmittel, die ohne Bedenken noch genießbar sind, kostenlos zur Abholung anzubieten. Ein Smartphone befindet sich fast in jedem Haushalt. Apps (Smartphone-Applikationen) für gebrauchte Dinge oder Kleinanzeigen gibt es wie Sand am Meer, warum also nicht auch für Lebensmittel? Das dachte sich eine kleine Gruppe von Studenten der Technischen Hochschule Mittelhessen und entwickelte die Smartphone-App „SHARE YOUR FOOD“, eine Plattform auf der nicht nur Lebensmittel zur kostenlosen Abholung angeboten werden können, sondern auf der sich auch Vereine und Organisationen präsentieren, über ihr Hilfsangebot oder Veranstaltung informieren und sogar ihre Homepage in der Anzeige verlinken können. „Das ist das Neue dabei: Nicht nur Lebensmittel anbieten und finden, sondern sich umfangreich informieren
können, regionale Hilfsorganisationen und Vereine finden oder Tipps und Tricks für andere Nutzer empfehlen. Dafür gibt es in der App einen eigenen Bereich. Es gibt sogar eine Kategorie „gemeinsam Kochen und Essen“, so können sich Nutzer verabreden, kennen lernen und soziale Kontakte aufbauen.“, so Michael Stricker, Geschäftsführer der MY2SHARE UG in Bad Nauheim, die das Projekt bis zur jetzigen Beta-Version unterstützt hat.  

Natürlich gibt es bereits Vereine und Organisationen, die sich mit dem Thema beschäftigen und Plattformen im Internet, auf denen Lebensmittel zur Abholung von Privat angeboten werden können. Es ist jedoch nicht einfach, sich mit einem Suchbegriff an die Suchmaschine zu wenden und dann aus den Millionen gefundenen Einträgen das Richtige zu finden. Darüber hinaus sind die Vereine und Organisationen nicht immer flächendeckend aufgestellt oder es gibt Restriktionen für die Abgabe oder Abholung von Lebensmitteln. SHARE YOUR FOOD wendet sich an jeden, private Haushalte, Vereine und Organisationen, und steht flächendeckend 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Die App ist kostenlos nutzbar, es entstehen keine Transaktionsgebühren oder andere Kosten. Es gibt nur zwei Bedingungen: Angebote und Einträge müssen gesetzeskonform und angebotene Lebensmittel unbedenklich genießbar sein.

„Helfen kann jeder, Lebensmittelvernichtung vermeiden auch. Wir machen es einfach, sich schnell und unbürokratisch daran zu beteiligen“, sagen die am Projekt beteiligten Studenten.
Viele der Funktionen sind den Nutzern aus anderen Flohmarkt-Plattformen bekannt, so zum Beispiel die Umkreissuche, die Auswahl von Kategorien für das Angebot, Suchagenten, Merklisten oder das Teilen von Einträgen in sozialen Netzwerken.
„Wir haben versucht, die beste Kombination von Funktionen in SHARE YOUR FOOD zu realisieren. Ob uns das gelungen ist entscheidet der Nutzer“, so Stricker.

Leider reichen die finanziellen Mittel nicht mehr aus, um eine Desktop-Version zu realisieren oder die Liste weiterer Funktionen abzuarbeiten. Auch das Marketing fordert seinen Tribut. SHARE YOUR FOOD hat sich daher entschlossen, eine CrowdfundingAktion über die STARTNEXT-Plattform zu starten.
„Wir erhoffen uns, mit dieser Aktion, genügend Geldmittel aufzutreiben, um den Betrieb zu gewährleisten und noch mehr Funktionalität umsetzen zu können. Jede finanzielle Unterstützung für dieses Projekt ist willkommen“.

Wer sich über SHARE YOUR FOOD informieren möchte, dem steht die Facebookseite zur Verfügung. Die aktuelle Beta-Version der App kann schon heute für iPhones aus dem AppStore oder für Android-Smartphones aus dem Google PlayStore installiert werden.

„Wir wünschen uns, dass sich viele Menschen an dem Projekt SHARE YOUR FOOD beteiligen, damit die Lebensmittelverschwendung reduzieren und gleichzeitig helfen. Erzählt Freunden und Bekannten von SHARE YOUR FOOD, je mehr davon wissen, desto mehr werden sie nutzen!“.

Dienstag, 28. Februar 2017

Fünfundsechzigster Schritt: Einfach mal immer wie auf Camping

"Plastikfrei Kaffetrinken? Tu ich doch. Ist doch ein Pappbecher!", dachte ich lange Zeit. Warum ich mir nie Gedanken machte, weshalb meine Paketlieferungen, die der Paketbote (vermutlich aus purer Gemeinheit) stets in den Regen stellt, wenn ich nicht da bin, durchgeweicht sind und von mir in Stücken rein getragen werden müssen, aber der Coffee-to-Go-Becher stundenlang erst heißen, dann kalten Kaffe aufbewahren kann, ohne auch nur einen Tropfen ungewollt zu verlieren, weiß ich nicht. Ist wohl auch gewollt, dass man sich als Konsument eines guten Gewissens sicher sein darf. Unwissenheit ist manchmal etwas "Tolles". Tatsächlich besteht so ein Becher zu 5% aus einer innenwandigen Kunststofffolie, meist aus Polypropylen (PP). Die potentiell gute Nachricht: Landete der Becher im Gelben Sack, könnte der Papieranteil aufgelöst werden (ja, durch Wasser) und das PP recycelt werden. Die schlechte Nachricht ist: Die meisten Becher landen nicht im Gelben Sack, sondern im Restmüll, wo sie zur Energiegewinnung in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden. Die noch schlechtere Nachricht ist: Selbst wenn sie im Gelben Sack landeten, würde die Hälfte davon dennoch verbrannt. Das ist zwar kein Grund, den Müll nicht zu trennen, denn immerhin wird die andere Hälfte recycelt. In dieser Hälfte sind mit hoher wahrscheinlich rohstofflich reine "Abfälle". Ein mit Energieaufwand zunächst zu trennender Verbundstoff wie ein Einwegbecher ist vermutlich ein Kandidat, der eher gänzlich für die Verbrennung aussortiert würde. Wohlgemerkt sind sowohl Papier als auch PP recyclingfähig und mit der Verbrennung unrettbar für den Wertstoffkreislauf verloren. Der beste Weg ist daher, den Müll gar nicht erst entstehen zu lassen. Und wie? 
Eine für mich sehr hübsche Methode bedarf einer kurzen Vorgeschichte zur Erläuterung. Ich hasse Camping. Nichts gegen die Natur, in der ich mich wirklich sehr gerne aufhalte. Alle die schönen Geräusche: Das Knacken der Äste, das Rascheln von kleinen Nagerfüßlein im trocken Laub, all die Rufe der liebreizenden tierischen Waldbewohner ... stören mich nachts im dünnwandigen Zeit so sehr, dass ich selbst auf Festivals entweder im Wohnmobil oder im Hotel bin. Bah! Doch wer nie Campen war, kann nicht mitreden. Ich campe daher zu jeder Zeit zumindest materiell ein wenig. In der Lite-Variante, aber dafür ununterbrochen. Wenn ich weiß, dass ich unterwegs Kaffee trinken werde, führe ich in meiner Umhängetasche meinen Camping-Thermobecher mit, also beispielsweise auf Poetry-Slam-Tour, wenn ich lange per Bahn oder Auto unterwegs bin. Statt den "Pappbecher" im Bahnhof oder an der Tankstelle füllen zu lassen, verwende ich meine nachhaltige Alternative. Und der Kaffee bleibt dann auch länger heiß!
An dieser Stelle stelle ich gleich mein Camping-Besteck mit vor, das ich tatsächlich immer dabei habe. Ich liebe die Blicke an den Imbissbuden, wenn ich Plastik- oder im besseren Fall Holzspießchen und -gäbelchen ablehne, um damit zu essen, und ich freue mich darauf, irgendwann einen zweiten Menschen mit eigenem Besteck zu treffen. Vielleicht können wir dann die Logos der ebenfalls mitgeführten gebrauchten Papiertüten vom Bäcker vergleichen wie andere ihre exponierten Chronographen!


Wenn ich es vermeiden kann, trinke ich meinen Kaffee nicht unterwegs, sondern am liebsten zuhause oder im Büro, wo ich Zeit habe, den Kaffee auch vernünftig zuzubereiten und in Ruhe zu genießen. Was 5.000 Kilometer zu uns unterwegs ist, sollte auch als Genussmittel wahrgenommen werden. Für zuhause habe ich mir wieder mal etwas geleistet: Einen Filteraufsatz aus Porzellan für die Tasse. Es ist mir nämlich zu arbeitsaufwändig, immer die Ein-Liter-Frenchpress zu reinigen, wenn ich nur eine einzige Tasse trinken möchte. Für den Filteraufsatz hatte ich bei meinen Eltern noch einen ungenutzten Dauerfilter aus Nylon gefunden, den ich anstelle von Einmalfilter aus Papier nutze. So fällt tatsächlich nur der Kompost durch meinen umverpackungsfrei erworbenen Kaffee an. Im Frühling wird er mit Pflanzerde vermischt und als Dünger für meine Gemüsepflanzen auf der Terrasse genutzt.
Für den Becher zuhause, ebenso wie für den Becher für unterwegs, gilt jedoch folgendes: Wenn ich ihn nach der Nutzung immer in die Spülmaschine stecke, vernichte ich die vorteilhafte Ökobilanz, wie eine niederländische Studie festgestellt hat. Die gute Nachricht ist, einfach nur einmal die Woche statt nach jeder Nutzung in den Geschirrspüler damit und die restlichen Tage schlicht mit Wasser ausspülen, und alles ist gut.  
Warum trinke ich meinen Kaffee am liebsten selbst zubereitet? Nun, er darf nicht mit Wasser überbrüht werden, das heißer ist als 94 Grad, sonst lösen sich die Bitterstoffe heraus. Auch darf das Wasser nicht kälter als 84 Grad sein, da sich die Aromen sonst nicht herauslösen. Der Mahlgrad des Pulvers für die Frenchpress muss grob sein, der für die manuelle Filterung mittel, für Mokka aus der Mokkakanne fein, aber nicht zu fein. 20 Gramm Pulver pro großer Tasse (drittel Liter) mit dem Porzellanfilter, 40 Gramm für den Liter in der Frenchpress. Erklär das mal an der Tankstelle!

Heute ist übrigens meine zweiwöchentliche Kolumne in der Wetterauer Zeitung gestartet. Blogeintrag und Kolumne drehen sich immer um das gleiche Thema und erscheinen parallel. Es gibt also nun alle zwei Wochen dienstags auch einen neuen Blogeintrag, der das Thema der Kolumne etwas vertieft. Hat sie jemand gelesen? Ich freue mich über eure Kommentare hier im Blog oder auf Facebook.


Freitag, 3. Februar 2017

Vierundsechzigster Schritt: Gegen den Strom (schwimmen)

LED-Leuchten, die anderen nicht.
Im Dezember hatte ich meinen Kühl- und Gefrierschrank abgeklemmt und es bis heute nicht bereut, was natürlich auch daran liegt, dass ich eine Kühlbox vor mein Fenster stellen kann und der Winter die Kühlarbeit leistet. Wie es im Frühling weitergeht, daran arbeite ich derzeit gedanklich. Bis es soweit sein wird, und der Lenz meine Kühlwaren zu verderben sucht, wird keine Zeit vertan werden. Energie zu sparen, ist mir ein wichtiges ökologisches Anliegen und mit 73 kw/h Verbrauch im Dezember war ich bereit sehr glücklich. 

Um den Verbrauch weiter zu senken, kaufte ich vier LED-Leuchten für meine Wohnzimmerlampe. Ich ersetzte damit vier ausgebrannte Glühbirnen und drehte die funktionierenden außer Kontakt. Die Leuchtleistung ist die gleiche wie zuvor, während sich der Energieverbrauch um 90% reduziert. Die Lampen kosteten 40,00 Euro. Viel Geld, aber besser als es für Chips und Dosenbier auszugeben. Oder sagen wir, besser als es für schlecht schmeckende Chips und Export-Bier auszugeben.

Als weiteren Verbraucher hatte ich mein WLAN-Radio, das im Bad stand, abgeklemmt und nach drei Wochen Testphase verschenkt sowie alle elektrischen Geräte mit Kippschalter versehenen Steckerleisten an die Steckdosen angeschlossen. Letztes traf auch meinen WLAN-Router, den ich nun mit dem Kippschalter vom Netz nehme, sobald ich das Haus verlasse oder zu Bett gehe. Warum sollte ich einen Internet-Zugang über ein Funknetz zur Verfügung stellen, wenn niemand im Haus oder niemand wach ist? Das ist ein wenig wie das Auto durchgängig im Standgas laufen zu lassen, falls ich spontan mal fahren möchte. 
Es dauert zwar zwei, drei Minuten, bis das Netz nach dem Anschalten steht, doch wenn ich diese Zeit nicht sinnvoll nutzen könnte, liefe etwas Grundsätzliches in meinem Leben falsch. Einen interessanten Effekt hat die Wartezeit: Morgens beim Frühstück hörte ich oft Musik über einen Streamingdienst. Da ich mich morgens als zu faul erwiesen habe, die Fritzbox an- und, bevor ich das Haus verlasse, wieder auszuschalten, höre ich nunmehr morgens FM-Radio, indem ich meine kleine Box nicht mehr über Bluetooth, sondern über Kabel an das Handy anschließe. Das spart in mehrfacher Hinsicht Energie: Kein WLAN nötig, kein Streaming über das Internet nötig (was nicht zu unterschätzen ist), kein Bluetooth nötig.

Mittwoch hatte ich meinen Stromverbrauch für Januar abgelesen. Ich hoffte auf 65 kw/h.
Um es etwas anschaulicher zu machen: Mein Stromverbrauch kostete im Dezember 21,00 Euro, und ich hoffte auf 19,00 Euro. Die letzten Tage waren spannend. Würde ich das Ziel erreicht haben? Würde der Umstand, die letzten zehn Tage von zuhause gearbeitet und daher das WLAN sowie die Wohnzimmerbeleuchtung länger angeschaltet gehabt zu haben, stark auf meine Energiersparnis eingewirkt haben? Dann das Ergebnis: mit 48 kw/h (< 14,00 Euro) hatte ich über ein Drittel veniger verbraucht. Damit hätte ich nie gerechnet. Insbesondere, da ich - neben meiner langen Home-Office-Zeit - weiterhin jeden Samstag Brot und zwischendurch einen Kuchen gebacken hatte sowie meine Dörre gut sechs Stunden auf höchster Stufe laufen hatte, um eine Großportion frischer Gnocchi haltbar zu machen.

Was bedeutet das? In erster Linie, dass ich in einem halben Jahr die Investition für meine LED-Lampen wieder raus haben werde. In zweiter Linie, dass ich in einem halben Jahr wieder Chips (Lisas Kartoffel-Chips "Schweizer Alpenkräuter") und Bier (Rother Öko-Urtrunk) kaufen kann.

Mittwoch, 1. Februar 2017

Dreiundsechzigster Schritt: Die Kraft der Erkältung nutzen

"Zitrone vor gänzendem Bad"
Stillleben, Arnold, 2017
Krank zu sein, hat nicht nur Nachteile. Der Vorteil an einer ordentlichen Erkältung ist - zumindest bei mir -, dass unzählige Zitronenschalen als Kompostmüll anfallen, da Zitronensaft und Ingwer als Wundermittel erkältungsbegleitend nicht fehlen dürfen. Wohin damit? Im Buch von Smarticular habe ich gelesen, dass sie zusammen mit Essig einen sehr guten Badreiniger abgeben sollen. Die Zubereitung ist einfach. Ich habe Zitronenschalen kleingeschnitten, in ein Glasgefäß gegeben und vollständig mit Essig bedeckt. Da die Schalen teils auf der Oberfläche schwammen, habe ich das Glas in den drei Wochen, die es reifte, alle paar Tage geschüttelt und umgedreht. Irgendwann war der Essig braun geworden, was laut Buch das Zeichen ist, dass die Zitrus-Essig-Lösung fertig ist. Die Wirkung war überzeugend. Ich hatte einen Lappen getränkt und damit Armaturen und Porzellan gewischt. Bereits beim ersten mal gingen alle Kalkflecken weg. Mein Badezimmer roch zwar einen Tag lang als sei eine Schlägerei zwischen einem Essig- und einem Obsthändler eskaliert, doch das Ergebnis ist das wert. Endlich nach sechs Wochen kann ich wieder Besuch empfangen, ohne leugnen zu müssen, dass es mein Badezimmer ist.