Sonntag, 23. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXIII

"Auch du, mein Sohn Brutus?", ertönte ein berühmter letzter Satz weit vor der Zeit, als Plastik erst bekannt und dann rasch zum Problem wurde. Es war die Zeit der Tonkrüge und Zaunköniglebern.
Natürlich wurde ich nicht erdolcht, wie der gute alte Julius C. aus R., und im Gegensatz zu Brutus, der nur dessen Vertrauter und nicht Sohn war, kam der Dolch in meinem Fall in Form des Müllanfalls einer Plastiktüte tatsächlich aus den Händen meines geliebten Filius'. Nichts ahnend gab ich ihm, den mittäglichen Moment meiner physischen Abwesenheit väterlich-wohlwollend entschädigend, Geld in die noch jungen Hände, auf dass er sich in unserem berühmten Salzhause einen Burger holen möge. 
Als ich zurückkehrte, spürte ich physisch jenen Stich im Rücken, den auch Cäsar verspürt haben mag: Eine Plastiktüte nebst zweier papierner Behältnisse, zum Verzehr der erworbenen Speisen im trauten Heim ausgegeben, lagen in meiner Kemenate. "Oh, juvenile Narretei! Weiß er nicht, dass ich Plastik faste?", kam mir in den Sinn. "Warum, oh Sohn, bestelltest du am Orte des hohen Genusses, doch aßest nicht daselbst?", frug ich, schwer atmend. Er, die rosigen Wangen, einem Eichhorn gleich, doch nicht mit Nüssen für den Winter, sondern mit unzähligen Bissen kunstvoll zusammengestellter Schnellspeise prall gefüllt, antwortet: "Häh?"
Zurecht! Natürlich sagte ich meinem Junior, er hätte doch auch dort essen können, dann wäre kein Müll angefallen. Ich erklärte ihm, wie unsinnig es doch sei, für wenige Minuten Nutzungsdauer all die Ressourcen und Energie für die Produktion zu verschwenden.
"Dann wirf sie doch einfach nicht weg!", antwortete er. "Recht hat er!", dachte ich. Tüte und Pappschachteln wandern erst einmal in den Schrank. Bestimmt gehen wir raus und wandern, sobald es wieder warm ist. Zwei Pappschachteln für zwei belegte Brötchen und eine Tüte für ... Na ja, mir wird schon etwas einfallen. Vielleicht fülle ich einfach eiskaltes Wasser rein und überrasche ihn damit, wenn er mit der nächsten Plastiktüte nebst zweier Burgerschachteln nachhause kommt.
Friere und lerne!

Samstag, 22. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXII

Es ist die Woche des Müllanfalls. Ich hole quasi etwas auf, bevor ihr euch langweilt und euch von mir abwendet.
Hinzugekommen ist eine Dose mit Vitamin B12. Dazu sehe ich tatsächlich keine Alternative. Es gibt zwar angereicherte Lebensmittel, doch die bringen noch mehr Müll mit sich. Zwar wäre es möglich zuhause Algen zu züchten, aber es scheint nicht wirklich gesichert, dass dieses B12 tatsächlich bioaktiv ist. 
Eine weitere Chance wäre, mehr Bier zu trinken. Verlockend! Wenn auch drei Liter Weizenbier pro Tag, um meinen Vitaminhaushalt zu decken, das nächste Experiment mit sich brächte: "Das Experiment blauer Mensch!". Besser also Lutschtabletten in Dosen. Ich kann ja ab und an mit etwas Bier aufbessern.
Weiter ist eine Gewürz-Plastikverpackung angefallen. Leider habe ich dazu bislang keine Alternative finden können. Plastik- oder Glasdosen zu kaufen wäre noch umweltbelastender. Aber so viel würze ich ja nicht, dass das wirklich ins Gewicht fiele. Bestimmt findet sich aber noch eine Alternative.
Eine lustige Situation gab es heute noch, von der ich berichten kann. Als ich heute Morgen am Marktplatz saß und Kuchen aß, wurden mir drei Papiertüten überreicht. "Sie wollen doch Plastiktüten sparen!", sagte die Frau. Eine tolle Geste. Ich nutze sie nun für meinen Kompost. Immerhin will ich inzwischen auch Papiertüten sparen.

Freitag, 21. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXI

Heute sind die ersten drei Wochen rum, und es ist der erste Tag, an dem ich eigentlich nichts zu "Das Experiment Gelber Sack" erzählen kann. Nahezu ein völliger Standardtag, fast ohne Herausragendes, ohne Experimente, ohne grundsätzliche Fragen. 
Heute Morgen gab es zwei Stück Pizza vom Vorabend (ohne Bier!), mittags Frischkornbrei, am Abend Kartoffeln und Bohnen. Alles kam aus plastikfreien Großpackungen aus Papier, die ich bei Mein-Müsli-Laden bestellt hatte. Einkaufen war ich nicht, also konnte auch kein Müll anfallen. Eben fast ein unspektakulärer Tag. Fast, denn ich habe etwas Nachhaltiges geschenkt bekommen, über das ich mich sehr gefreut habe. Mein Illustrator hat für sich, meinen Verleger und mich je eine Coffee-To-Go-Tasse aus Keramik mit dem Drachen aus meinem Buch bedrucken lassen. Eine doppelwandige Keramiktasse sogar! Ich werde sie morgen, wenn unser wöchentliches veganes Kuchenessen an Heidis Kuchenstand stattfindet einweihen. Endlich Kaffee, der zwei Kuchenstücke lang heiß bleibt. Danke :)

Ein nachhaltiger Drachenbecher "Fionrirs Reise" Andreas Arnold

Donnerstag, 20. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XX

Plastique surpris
Heute wurde eine Flasche Rapsöl leer und damit zum zweiten Glasmüll der letzten 20 Tage. Was ich erst jetzt gesehen habe - auch ein Ergebnis der Fokussierung, die mir "Das Experiment Gelber Sack" verschafft hat -, ist, dass ein Plastikausguss an der Flaschenmündung angebracht ist. Ich habe ihn mit den Zähnen - ja, mit den Zähnen - entfernt und zum Plastik müll gegeben. So etwas halte ich für unnötig. Das unterstellt ja fast schon, dass der durchschnittliche Speiseöl-Kunde eine Mischung zwischen Clumsy Schlumpf und einem Muskel-Tremor-Leidenden ist. Ich bin eher so der Typ Hefty (hüstel) und zittere allenthalben vor Verärgerung über unnötigen Plastikmüll. Darauf werde ich künftig achten.

Hinzugekommen: Ölflasche, Dosierhilfe und Hefebeutel 
Damit sich die Dosierhilfe nicht so einsam auf dem wachsenden Müllhaufen fühlt, dachte ich mir: "Ach, kommt, einen Hefebeutel hast du noch. Mach dir ne Pizza!"
Also habe ich eine Vollkorndinkel-Boden gemacht, den Rest Gemüse, den ich von meinem Markteinkauf am Samstag noch übrig hatte (Zucchini, Möhre, Fenchel), draufgeschnippelt und das ganze mit einer scharfen Cashew-Hefe-Soße übergossen. Nach einer viertel Stunde hatte ich eine super leckere (und ungewöhnlich belegte) Pizza. Dazu gab es einen kleinen Salat mit Radieschen, Lauch und Fenchelgrün, dem zu verdanken ist, dass die Ölflasche leer wurde. Dafür bin ich herrlich satt.


Abendessen - zwei Stücke blieben fürs Frühstück übrig.
Dazu natürlich keinen Wein! Bier, versteht sich ;-)

Mittwoch, 19. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XIX

Meine Vakuum-Kaffee-Dose fühlt sich unnütz
"Der Kaffee ist alle!" So hört es sich Nachmittags an. Früh am Morgen, wie am heutigen, klingt es in etwa so:
" C E N S O R E D ! ". 
Am liebsten wäre ich nach der Arbeit in meine lokale Rösterei gegangen. Leider komme ich da unter der Woche nicht vorbei und komme auch zu spät nachhause, als dass es sich noch lohnen würde, sich ins Auto zu setzen Auch weil ich das Auto "nur" für Kaffe nicht von seinem tagelangen Schlaf auf dem Parkplatz wecken will.
Zum Glück gibt es Tchibo um die Ecke. Auch da durfte ich feststellen, dass ich meine eigene Dose mitbringen kann. Die Kaffeebohnen werden aus großen luft- und lichtdurchlässigen Spendern in eine Schütte gefüllt und anschließend gewogen. Dann werden sie in meine luft- und lichtundurchlässige Dose gefüllt. Sie hat einen Vakuumverschluss und zusätzlich einen Deckel mit luftdicht verschließender Gummierung. Finde den Fehler! Ich bin sehr gespannt, wie der Kaffee schmecken wird. Ich bin mir sicher, dass mein Kaffeeröster beim Kauf einen Knacks im Herzen gespürt haben wird. Ich verspreche, ich komme das nächste mal wieder zu dir, wo man Kaffee so behandelt, wie er es verdient hat. Ich gelobe, meinen Kaffeegenuss künftig besser zu planen, so dass mich die letzte Autofahrt vor dem Mahlen der letzten Bohne zu dir führen wird. Ich bin ein Banause! Immerhin weiß ich, ihn richtig zuzubereiten, und immerhin war dieser Tag dadurch auch müllfrei.