Freitag, 3. Februar 2017

Vierundsechzigster Schritt: Gegen den Strom (schwimmen)

LED-Leuchten, die anderen nicht.
Im Dezember hatte ich meinen Kühl- und Gefrierschrank abgeklemmt und es bis heute nicht bereut, was natürlich auch daran liegt, dass ich eine Kühlbox vor mein Fenster stellen kann und der Winter die Kühlarbeit leistet. Wie es im Frühling weitergeht, daran arbeite ich derzeit gedanklich. Bis es soweit sein wird, und der Lenz meine Kühlwaren zu verderben sucht, wird keine Zeit vertan werden. Energie zu sparen, ist mir ein wichtiges ökologisches Anliegen und mit 73 kw/h Verbrauch im Dezember war ich bereit sehr glücklich. 

Um den Verbrauch weiter zu senken, kaufte ich vier LED-Leuchten für meine Wohnzimmerlampe. Ich ersetzte damit vier ausgebrannte Glühbirnen und drehte die funktionierenden außer Kontakt. Die Leuchtleistung ist die gleiche wie zuvor, während sich der Energieverbrauch um 90% reduziert. Die Lampen kosteten 40,00 Euro. Viel Geld, aber besser als es für Chips und Dosenbier auszugeben. Oder sagen wir, besser als es für schlecht schmeckende Chips und Export-Bier auszugeben.

Als weiteren Verbraucher hatte ich mein WLAN-Radio, das im Bad stand, abgeklemmt und nach drei Wochen Testphase verschenkt sowie alle elektrischen Geräte mit Kippschalter versehenen Steckerleisten an die Steckdosen angeschlossen. Letztes traf auch meinen WLAN-Router, den ich nun mit dem Kippschalter vom Netz nehme, sobald ich das Haus verlasse oder zu Bett gehe. Warum sollte ich einen Internet-Zugang über ein Funknetz zur Verfügung stellen, wenn niemand im Haus oder niemand wach ist? Das ist ein wenig wie das Auto durchgängig im Standgas laufen zu lassen, falls ich spontan mal fahren möchte. 
Es dauert zwar zwei, drei Minuten, bis das Netz nach dem Anschalten steht, doch wenn ich diese Zeit nicht sinnvoll nutzen könnte, liefe etwas Grundsätzliches in meinem Leben falsch. Einen interessanten Effekt hat die Wartezeit: Morgens beim Frühstück hörte ich oft Musik über einen Streamingdienst. Da ich mich morgens als zu faul erwiesen habe, die Fritzbox an- und, bevor ich das Haus verlasse, wieder auszuschalten, höre ich nunmehr morgens FM-Radio, indem ich meine kleine Box nicht mehr über Bluetooth, sondern über Kabel an das Handy anschließe. Das spart in mehrfacher Hinsicht Energie: Kein WLAN nötig, kein Streaming über das Internet nötig (was nicht zu unterschätzen ist), kein Bluetooth nötig.

Mittwoch hatte ich meinen Stromverbrauch für Januar abgelesen. Ich hoffte auf 65 kw/h.
Um es etwas anschaulicher zu machen: Mein Stromverbrauch kostete im Dezember 21,00 Euro, und ich hoffte auf 19,00 Euro. Die letzten Tage waren spannend. Würde ich das Ziel erreicht haben? Würde der Umstand, die letzten zehn Tage von zuhause gearbeitet und daher das WLAN sowie die Wohnzimmerbeleuchtung länger angeschaltet gehabt zu haben, stark auf meine Energiersparnis eingewirkt haben? Dann das Ergebnis: mit 48 kw/h (< 14,00 Euro) hatte ich über ein Drittel veniger verbraucht. Damit hätte ich nie gerechnet. Insbesondere, da ich - neben meiner langen Home-Office-Zeit - weiterhin jeden Samstag Brot und zwischendurch einen Kuchen gebacken hatte sowie meine Dörre gut sechs Stunden auf höchster Stufe laufen hatte, um eine Großportion frischer Gnocchi haltbar zu machen.

Was bedeutet das? In erster Linie, dass ich in einem halben Jahr die Investition für meine LED-Lampen wieder raus haben werde. In zweiter Linie, dass ich in einem halben Jahr wieder Chips (Lisas Kartoffel-Chips "Schweizer Alpenkräuter") und Bier (Rother Öko-Urtrunk) kaufen kann.

Mittwoch, 1. Februar 2017

Dreiundsechzigster Schritt: Die Kraft der Erkältung nutzen

"Zitrone vor gänzendem Bad"
Stillleben, Arnold, 2017
Krank zu sein, hat nicht nur Nachteile. Der Vorteil an einer ordentlichen Erkältung ist - zumindest bei mir -, dass unzählige Zitronenschalen als Kompostmüll anfallen, da Zitronensaft und Ingwer als Wundermittel erkältungsbegleitend nicht fehlen dürfen. Wohin damit? Im Buch von Smarticular habe ich gelesen, dass sie zusammen mit Essig einen sehr guten Badreiniger abgeben sollen. Die Zubereitung ist einfach. Ich habe Zitronenschalen kleingeschnitten, in ein Glasgefäß gegeben und vollständig mit Essig bedeckt. Da die Schalen teils auf der Oberfläche schwammen, habe ich das Glas in den drei Wochen, die es reifte, alle paar Tage geschüttelt und umgedreht. Irgendwann war der Essig braun geworden, was laut Buch das Zeichen ist, dass die Zitrus-Essig-Lösung fertig ist. Die Wirkung war überzeugend. Ich hatte einen Lappen getränkt und damit Armaturen und Porzellan gewischt. Bereits beim ersten mal gingen alle Kalkflecken weg. Mein Badezimmer roch zwar einen Tag lang als sei eine Schlägerei zwischen einem Essig- und einem Obsthändler eskaliert, doch das Ergebnis ist das wert. Endlich nach sechs Wochen kann ich wieder Besuch empfangen, ohne leugnen zu müssen, dass es mein Badezimmer ist.


Sonntag, 22. Januar 2017

Zweiundsechzigster Schritt: Besitz und Konsum prüfen

Was brauche ich im Leben?, ist eine Frage, die unmittelbar mit unseren Konsumentscheidungen zusammenhängen sollte. Und nicht nur das, Die Antwort entscheidet auch darüber, was wir in unserem Besitz behalten, was wir aufgeben und verkaufen oder verschenken können, um uns von zu verwaltenden, zu pflegenden und zu reparierenden überflüssigen Dingen zu befreien. Sie birgt aber auch gleichzeitig eine mögliche Antwort auf die Frage: Was macht mich glücklich und zufrieden?

Wohnen jetzt woanders: Die Überflüssigen
Ich habe mich in den letzten Wochen intensiv mit dieser Frage beschäftigt. Nicht allgemein, sondern  bezogen auf einzelne Dinge. Ich hatte beispielsweise eine Pulsuhr zuhause liegen, vor Jahren erworben, weil ich das Geld hatte und es toll fand, meine Läufe protokollieren zu können. Tatsächlich protokollierte ich zwar, doch weder die gemessenen Zeiten, noch die Pulsfrequenzen nutzte ich, um mein Lauftraining zu optimieren. Vor Jahren hatte ich schon festgestellt, dass ich letztlich nur Datensammlung ohne Nutzen betrieb und sie in den Schrank gelegt. Zwischenzeitlich nutze ich mein Mobiltelefon und eine entsprechende App, wenn es mal nötig ist, Strecken und Zeiten zu messen. Das und die Erkenntnis, die Pulsmessung ohnehin nicht zu verwerten, machten die Pulsuhr zu einem verzichbaren Gerät in meinem Besitz. Sie weiter ungenutzt in meinem Schrank versteckt zu halten, das wäre wie Geld auf einer Bank ohne Zinsen zu deponieren gewesen. Jemand anderes plant vielleicht den Erwerb einer Pulsuhr, für die unnötig Ressourcen aufgewandt werden müssen, obwohl eigentlich bereits eine hergestellt wurde, die genutzt werden könnte. Ich habe sie verschenkt, und das Gefühl dabei war ein gutes.
Weiter hatte ich in meinem Badezimmer hatte ich ein WLAN-Radio. Das war eine tolle Sache. Immerhin ermöglichte es mir, meine Lieblingssender über das Internet zu hören, ohne meinen Rechner anschalten zu müssen. Nicht unerwähnt lassen darf ich, dass ich damals noch kein Smartphone hatte. Vor Monaten hatte ich mir eine Box für mein Handy zugelegt, die ich immer mitnehme, wenn ich im Freien trainiere. Sie macht Musik in einer sehr guten Qualität zu hören an jedem Ort, an dem ich mit dem Handy Musik hören möchte, möglich. An jedem Ort! Es brauchte eine Weile, bis ich erkannte, dass diese Orte auch andere als "das Freie" sein konnten. Letztlich verschenkte ich meine PC-Boxen als erstes und nutze seitdem die kleine Box, um am Rechner Musik zu hören. Bald darauf schaltete ich auch das WLAN-Radio im Badezimmer aus, um zu schauen, ob auch das Badezimmer ein solcher Ort sein könnte. Nach drei Wochen war die Schau abgeschlossen: Auch das Badezimmer ist ein solcher Ort. Verwunderlich, aber wahr. Das WLAN-Radio habe ich auch verschenkt.
Das selbe Schicksal teilten nicht gespielte Brettspiele, Bücher, von denen ich wusste, ich würde sie nicht wieder lesen oder die ich schlicht nicht gut fand und dennoch in meinem Bücherregal als Mahnmal schlechten Geschmacks ihr Dasein frissten ließ, sowie allerhand Elektrokram, wie einst als Backup für meine Musik- und Videosammlung gedachte Festplatten, die nicht mehr genutzt werden, da ich nur noch selten Videos schaue und da ich Musik ohnehin inzwischen streame.

Wohnt jetzt bei mir: Getreidemühle mit Flocker
All diese Sachen lagen ungenutzt in meinen Schränken und konnte nicht dazu beitragen, mein Leben zu bereichern. Gibt es bereichernden Konsum in einer Wohlstandsgesellschaft noch? Kritischer Konsum bedeutet, Kaufentscheidungen mit der eingangs gestellten Frage zu überprüfen, damit der Konsum nicht zum Selbstzweck wird. Ich liebäugelte seit einiger Zeit damit, mir eine Getreidemühle zu kaufen. Brot frisch backen zu können, war eine schöne Vorstellung. Es würde mich unabhängig von den Öffnungszeiten der Bäckereien machen. Ich könnte mein Brot so backen, wie ich es möchte. Gekauftes Mehl lagert lange Zeit, bevor es verkauft wird, weshalb frisch gemahlenes Korn einen höheren Gehalt an Mikronährstoffen aufweist. Ein gesundheitlicher Vorteil. Wie oft würde ich Brot backen?, war eine Frage, die ich mir vor dem Kauf beantworten wollte. Einmal wöchentlich? Das würde bedeuten, dass das Gerät an sechs Tagen pro Woche ungenutzt bleiben würde. Da wäre es günstiger, das Korn in einem Bioladen malen zu lassen, bevor ich backe. Allerdings esse ich täglich Haferflocken. Auch gekaufte Haferflocken sind bedampft, um sie haltbar zu machen, und frisch geflockter Hafer daher nährstoffreicher. Wenn ich eine Getreidemühle mit Flockenquetsche kaufte, wäre das Gerät täglich in Nutzung, Ich habe mir eine Mühle gekauft und esse nun täglich selbst gebackenes Brot und nicht nur frische Haferflocken, vielmehr habe ich die Hälfte durch frisch geschrotetes Korn ersetzt, so dass die gesamte Maschine täglich in Nutzung ist. Ja, es gibt bereichernden Konsum in einer Wohlstandsgesellschaft. Nun, vielleicht empfände das nicht jeder so angesichts des Frischkornbreis, aber jeder Jeck ist anders.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Einundsechzigster Schritt: Den Weg zum Fluss wählen?


Waschmaschine kaufen oder an der Stelle auf die Waage wagen?
Brauche ich eine Waschmaschine?, war die Frage, die ich mir beim Einzug in die neue Wohnung gestellt hatte. Einerseits wollte ich mir den Platz in meinem ohne Waschmaschine großen und mit Waschmaschine kleinen Badezimmer frei halten. Andererseits wollte ich mir ein Gerät, dass in meinem Single-Haushalt nur einmal die Woche zum Einsatz käme, nicht anschaffen. Die Ressourcen für die Produktion einer solchen Maschine einzusparen, war mein Kernziel, aber wie so oft ein weiteres Ziel, mir die Frage zu beantworten: Geht das überhaupt?
Ressourcensparend wäre auch die Anschaffung eines gebrauchten Gerätes gewesen, weshalb ich zunächst darüber nachgedacht hatte. Letztlich kam die Aussicht, eine schwere Waschmaschine durch drei Stockwerke Altbauwohnung zu tragen, als nicht sehr kaufentscheidungsförderliches Argument hinzu. Was wären meine Alternativen? Die Usa ist nah, doch mit dem Waschbrett zum Fluss zu traben, hätte vermutlich ein klein wenig spleenig wirken können. Zum Glück hat Friedberg auch einen Waschsalon. 3,50 Euro pro Waschgang zzgl.Waschpulver klangen gut. Eine mittelpreisige Waschmaschine kostet ca. 350,00 Euro. Die Anschaffung hätte sich damit schon nach eineinhalb Jahren  amortisiert - bei einem Gebrauchtgerät noch früher -, was den Gang zum Waschsalon in meinen Augen unattraktiv machte. Die Anschaffung erschien fast sinnvoll, insbesondere in Anbetracht des Umstandes, dass ich durch die Nutzung einer Mietmaschine zum Verschleiß beitragen und damit die Zeit zur Neuanschaffung auch verkürzen würde. Theoretisch blieben nur noch die einmalige Schlepperei nach oben und das Zustellen meines Badezimmers als Argument. Praktisch blieb jedoch - der monetären Grundlage zum Trotz - der Unwillen, eine Maschine, die 6/7 der Woche ungenutzt herum stünde, anzuschaffen, unvermindert. Letztlich entschied ich mich dazu, weder zu kaufen, noch in den Waschsalon zu gehen, sondern künftig Freunde mit Waschmaschine zum Frühstück zu besuchen.

Über sechs Wochen sind seit dieser Entscheidung vergangen. In diesen sechs Wochen habe ich mich einmal zum Frühstück bei Freunden eingeladen und zum Ausgleich Brötchen mitgebracht. Ein zweites Mal lud ich mich bei meinen Eltern zum Mittagessen ein. Dieses Wochenende steht das dritte Fremdwaschen an: Jahresendwäschewaschfrühstück! Interessanterweise hat, keine Maschine im eigenen Haushalt stehen zu haben, dazu geführt, dass sich die Zeitintervalle zwischen zwei Wäschen verdoppelt haben. Ich prüfe viel gewissenhafter, ob ein Kleidungsstück tatsächlich schon gewaschen werden muss. Die Verfühung, sich sagen zu können: "Ach, das wasche ich einfach mit, damit die Maschine voll wird", fehlt zudem. Auch unter minimalistischen Aspekten war es eine gute Wahl, mich gegen eine Waschmaschine auszusprechen. Ein Gerät, das nicht existiert, kann nicht kaputt gehen, muss nicht gepflegt und nicht ersetzt werden. Das entstresst und bringt Zeit, in guter Gesellschaft zu frühstücken und zu Mittag zu essen. Alles in allem, war es die richtige Entscheidung. Meine Freunde und ich treffen uns regelmäßiger, auch die Waschmaschinen meiner Freunde werden effizienter genutzt und durch die geringeren Intervalle ist ein überraschender Umweltschutzeffekt eingetreten. Zuletzt ist das Entscheidendste jedoch: Die Kosten meiner Freunde für Backwaren haben sich reduziert, berichten sie immer wieder ganz stolz und wollen unbedingt, dass ich den Modus beibehalte.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Sechzigster Schritt: Einfach mal abschalten

Seit sechs Wochen der sauberste Tiefkühler meines Lebens
In einem Minimalismusforum las ich den Satz: „Seit wann ist Geiz ein Synonym für Minimalismus?“ Es war die Antwort auf die Feststellung, dass der Verzicht auf die Nutzung eines Kühlschranks Strom spart. Ich denke, Geiz und Minimalismus schließen sich aus. Zumindest dann, wenn Minimalismus als Lebenseinstellung definiert wird, und diese Lebenseinstellung zum Inhalt hat, Besitz und Konsum so klein wie nötig zu halten, um sich und die Umwelt zu entlasten.
Geiz als Anlass für eine Konsumreduktion würde den dem Äußeren nach entstehenden Minimalismus den Bedürfnissen und Zwängen einer Charaktereigenschaft unterwerfen. Eine Lebenseinstellung setzt jedoch voraus, sich frei entscheiden zu können. Zu sparen, in diesem Fall das Geld für Strom, ist eine Begleiterscheinung, aber, ganz im Gegensatz zur geiz-induzierten Konsumeinschränkung, nicht Motivation des Minimalismus. Diese Begleiterscheinung ist allerdings durchaus nicht nebensächlich, da nach ausreichender Reduktion der Hauptkostenverursacher in der Lebensführung durchaus mehr Optionen der Freizeitgestaltung entstehen, was den persönlichen Nutzen der konsum- und besitzreduzierten einfachen Lebensführung steigert. Strom zu sparen, stellt eine Einschränkung im Konsum dar, entlastet die Umwelt und ist daher unstrittig, gemäß der Eingangsdefinition, minimalistisch.
Die Antwort auf die Eingangsfrage ist also schlichtweg: Geiz kann kein Synonym für Minimalismus sein. Geld zu sparen - als Nebeneffekt der einfachen Lebensführung -, ist ein erwünschter Nebeneffekt. Strom zu sparen, ist mit der richtigen Motivation eine Option des Minimalismus.

Seit sechs Wochen zieren mein CD-Spieler und vier Würfel
die Stelle, auf der der Flatscreen Platz gefunden hätte. Sie
sind gefallen ... die Würfel!
Und nach diesem kleinen pseudo-wissenschaftlichen Exkurs sind wir auch schon beim Thema: Ich habe schon wieder Strom und Geld gespart! Spaß beiseite. Vor einem halben Jahr war ich abends müde von der Arbeit nachhause gekommen. Was ich tat, war das, was vermutlich in hunderttausenden von Haushalten abendlich passiert. Reflexartig setzte ich mich nach dem Abendessen vor den Fernseher, um mich davor bis ein Uhr wach zu halten. Völlig übermüdet machte ich mir am nächsten Morgen Gedanken, was schief gelaufen war. Der Körper sagte mir: „Ich bin müde!“ Was ich daraus schloss, war: „Bitte unterhalte mich mit etwas, das mich nicht anstrengt!“, wobei die eigentliche Message doch war: „Bitte lege mich schlafen!“
Warum habe ich meinen Körper missverstanden? Ich befürchte, die Antwort heißt Gewohnheit und fehlendes Hinterfragen. Der Alltag lässt viele Gewohnheiten entstehen. Gewohnheiten geben dem Tag Struktur und vereinfachen ihn. Ich komme von der Arbeit nachhause, esse zu Abend und setzte mich vor den Fernseher. Manche Gewohnheit ist jedoch zu hinterfragen. Ist es sinnvoll nach der Arbeit zu Abend zu essen? Gewiss. Ist es sinnvoll, sich nach dem Essen vor den Fernseher zu setzen? Möglich. Vielleicht habe ich einen Film oder eine Serie vor zu schauen, die mich unterhält. Vielleicht habe ich eine Dokumentation vor zu schauen, die mich bereichert. Ist es sinnvoll, sich auch ohne ein Ziel vor den Fernseher zu setzen? Möglicherweise nicht. Oder sich vor den Fernseher zu setzen, obwohl ich müde bin? Ganz sicher nicht. Nach diesem Tag habe ich entschlossen, TV-Asket zu werden, und nur noch fern zu schauen, wenn ich tatsächlich Lust darauf habe. Bis Anfang November kam diese Lust nur ein einziges Mal: Ich brauchte eine Beschäftigung, während ich die Wäsche von drei Wochen bügeln musste. Ohne Liam Neesons Unterstützung wäre ich wahnsinnig geworden.
Mitte November habe ich meinen Fernseher verschenkt und es damit Dennis gleich getan. Im Ergebnis bin ich wesentlich kreativer und produktiver als je zuvor, ich nutze die Zeit mit anderen Menschen viel intensiver, ich habe mehr Achtsamkeit meinem Körper gegenüber entwickelt und - das ist das Wichtigste, aber auch das Allerwichtigste - die Geldersparnis für den durch Blueray-Player, Fernseher und Kabelreceiver nicht mehr verbrauchten Strom investiere ich in eine Wäscherei mit Bügelservice.