Samstag, 24. Januar 2015

Eintrag #1 - Minimalismus and the Social Network - Teil 1

Ein paar Gedanken zur Web-2.0-Kommunikation via "Facebook", "What's App" und Consorten:

Mich hat die Lektüre des Buchs "Stadt, Land, Überfluss - Warum wir weniger brauchen als wir haben" von Jörg Schindler intensiv zum Nach- und Umdenken bewegt, gerade das Kapitel "Immer atemloser - Kommunikation. Warum uns eine Stunde ohne Handy beinahe um den Verstand bringt."

Inzwischen wächst der Datenbestand bei Youtube in jeder Minute um mehr als 60 Stunden Bildmaterial. Natürlich sind da viele nützliche Tutorials dabei, doch wenn ich sehe, wie sich erwachsene Menschen gegenseitig Videos von über ihre Füße fallende Hunde zeigen und von Katzen, die gegen geschlossene Fliegengittertüren prallen, werde ich schon nachdenklich. Umsomehr, wenn Kinder sich mit dem gleichen Glitzern in den Augen Gewaltvideos zeigen.

Auch bei Facebook werden täglich mehr als 3 Milliarden Likes und Kommentare gepostet.  Inzwischen bemessen Kinder und Erwachsene ihre Anerkennung immer stärker an der Anzahl für Einträge erhaltener Likes. Ich frage mich, ernsthaft, welche Gesellschaft der Umstand künftig schaffen wird, dass eben in der Regel nicht der durchdachteste Post die meisten Likes bekommt, sondern der selbst schlichte Gemüter erhellendste. Wenn die meiste Anerkennung nicht der bekommt, der eine gut recherchierte Kurzabhandlung über nachhaltiges Wirtschaften postet, sondern der der Hundewelpenvideos postet.


Hinzu kommt, dass Niemand, der sein Nachrichtenbedürfnis über Facebook zu befriedigen glaubt, „zufällig etwas über den Klimawandel in Kiribati, Frauenrechte in Indien oder Tauschbörsen in Castrop-Rauxel erfahren“ wird. Stattdessen wird sie oder er genau das bekommen, was der Facebook-Algorithmus vorgibt und zuvor durch die eigenen Likes immer stärker definiert wurde. Probiert es aus! Besucht mal Eure abonnierten Seiten und prüft, welche Statusmeldungen tatsächlich bei Euch erschienen sind.
„Der denkbare Effekt ist nicht zu unterschätzen. Wer etwa -wie der norwegische Massenmörder Anders Breivik- glaubt, alles Böse der Welt gehe vom Islam aus, der wird in modernen Kommunikationsmedien unzählige Beweise dafür finden, denen weitere Belege folgen - ungetrübt von Einwänden oder Gegenargumenten."
Facebook könnte da im wahrsten Wortsinne entscheidende Schützenhilfe leisten.

Allein die deutschen Internetnutzer rufen monatlich rund 150 Milliarden Websites auf, was rechnerisch 2.600 pro Surfer entspricht. Das sind 86 Seiten pro Tag. Mal optimistisch angenommen, dass diese 86 Seiten nicht nur bebildert sind, sondern auf ihnen auch Text zu lesen ist, dann sind das bei angenommenen zwei Minuten Verweildauer fast drei Stunden Zeit. Wer soll denn da noch Zeit finden, RTLs Junglecamp konzentriert zu verfolgen? Daneben finden die Deutschen allerdings auch noch die Zeit, knapp zehn Milliarden Videos anzuschauen. Kein Wunder, dass ein Viertel der Deutschen das Internet täglich privat auf der Arbeit nutzen muss. Allein für Facebook im Schnitt zweieinhalb Stunden pro Woche, umgerechnet ein Verlust von 26,8 Milliarden Euro pro Jahr allein in Deutschland. Es mag kausal etwas vereinfacht dargestellt sein, aber bei der nächsten Preiserhöhung wo auch immer empfiehlt es sich vielleicht, nicht darüber zu posten.

Vielleicht sollten wir eher über solche Dinge reden, face-to-face statt face-to-facebook! Vielleicht lernen wir dann wieder, konfliktfrei miteinander zu kommunizieren und  wie man ohne Smiley spricht. Ich möchte nicht wissen, wie viele Streits allein deshalb entstehen, weil der Empfänger die 140 Zeichen der Nachricht fehlinterpretiert hatte. Ich kenne ein Paar, das als erstes daran erkennt, dass der Partner verstimmt ist,  wenn die Smileys fehlen. „Über WhatsApp werden mittlerweile rund 31 Milliarden Kurznachrichten täglich verschickt - macht rechnerisch über vier pro Erdbewohner. Wobei diese Rechnung allein schon deshalb krumm ist, weil fünf Milliarden von uns leider noch ohne Internet in Burkina Faso oder Laos rumsitzen und deshalb draußen bleiben müssen."

Muss es soweit kommen, dass inzwischen auch bei uns die ersten DIGITAL DETOX CAMPs stattfinden müssen? Dabei handelt es sich um Offline-Retreats mit Seminar- und Workshopcharakter für digitale Vielnutzer, die unter den Folgen von Informations-Overload leiden oder schon erste Anzeichen von Internetabhängigkeit bei sich wahrnehmen. Im Camp wird DIGITAL DETOX als Lifestyle in einen größeren Zusammenhang gesetzt. So gehen die sinnvolle Nutzung von digitalen Geräten und bewusstes Ernähren Hand in Hand.
 In diesem Sinne: Click me Baby one more Time!

"Es war nett, sich mit Dir zu unterhalten."
Quelle: www.morgenpost.de

 

1 Kommentar:

Michael Broda hat gesagt…

Klasse Bericht! Um sich wirklich all das Beschriebene detailliert zu verinnerlichen, muss man sich die Texte immer wieder gezielt durchdenken und auch weiter über den so genannten "Tellerrand" schauen. Michael Broda